PS5 Pro: Was ist „8K Output“? (Und warum es (noch) nutzlos ist)

Sony druckt das 8K-Logo wieder auf die Verpackung der PS5 Pro. Klingt nach Zukunft. Klingt nach dem nächsten großen Ding. Aber was steckt wirklich dahinter – und bringt dir dieses Feature überhaupt etwas?

Die kurze Antwort: Technisch kann die PS5 Pro ein 8K-Signal ausgeben. Praktisch wirst du davon in deinem Wohnzimmer nichts haben. Warum das so ist, welche Hürden im Weg stehen und für wen sich das Ganze vielleicht doch lohnt – das klären wir jetzt.

Was bedeutet „8K Output“ bei der PS5 Pro?

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8K bezeichnet eine Auflösung von 7680 × 4320 Pixeln. Das sind etwa 33 Millionen Bildpunkte – viermal so viele wie bei 4K und sechzehnmal so viele wie bei Full HD.

Die PS5 Pro kann ein Signal in dieser Auflösung an deinen Fernseher schicken. Das klingt beeindruckend. Aber hier kommt der erste wichtige Punkt: „8K Output“ bedeutet nicht, dass Spiele auch in 8K berechnet werden. Die Konsole gibt lediglich ein 8K-Signal aus – das eigentliche Bild entsteht fast immer in einer deutlich niedrigeren Auflösung und wird anschließend hochskaliert.

Interessantes Detail am Rande: Sony hatte das 8K-Logo bei den späteren „Slim“-Modellen der Basis-PS5 stillschweigend von der Verpackung entfernt. Mit der Pro kehrt es zurück. Ein Marketing-Signal, das technische Überlegenheit suggerieren soll.

Die Hardware hinter dem Versprechen

Um zu verstehen, warum 8K auf der PS5 Pro so kompliziert ist, lohnt sich ein Blick unter die Haube.

Der Viola-Chip: Mehr Leistung, aber nicht genug für echtes 8K

Das Herzstück der PS5 Pro trägt den Codenamen „Viola“. Die GPU bietet 60 Compute Units – eine Steigerung von 67 Prozent gegenüber der Basis-PS5. Die theoretische Rechenleistung liegt bei 16,7 TFLOPS statt zuvor 10,28 TFLOPS.

Klingt nach einem ordentlichen Sprung. Aber hier wird es mathematisch unbequem: 8K hat viermal so viele Pixel wie 4K. Eine Leistungssteigerung von 45 bis 67 Prozent reicht bei weitem nicht aus, um diese Vervierfachung auszugleichen. Selbst High-End-PC-Grafikkarten wie die NVIDIA RTX 4090 – die ein Vielfaches der PS5-Pro-Leistung bietet – kämpft mit nativem 8K-Rendering in modernen Spielen.

Speicher und Bandbreite: Die unsichtbaren Flaschenhälse

Die PS5 Pro nutzt 16 GB GDDR6-Speicher mit einer Bandbreite von 576 GB/s. Das sind 28 Prozent mehr als bei der Basis-Konsole. Zusätzlich hat Sony 2 GB DDR5-RAM verbaut, der exklusiv fürs Betriebssystem reserviert ist. Dadurch stehen Spielen jetzt etwa 13,7 GB schneller Speicher zur Verfügung statt zuvor 12,5 GB.

Diese zusätzlichen 1,2 GB klingen nach wenig, sind aber entscheidend. Ein 8K-Framebuffer – also der Speicherbereich, der das Bild vor der Ausgabe hält – verschlingt enorme Mengen an Speicher. Ohne diesen Trick wäre 8K-Output auf der PS5 Pro gar nicht möglich.

Die geheime Zutat: Sonys KI-Beschleuniger (NPU)

Das wichtigste Bauteil für Sonys 8K-Strategie ist nicht die GPU, sondern die Neural Processing Unit (NPU). Sie erreicht etwa 300 TOPS im 8-Bit-Format und bildet die Grundlage für PlayStation Spectral Super Resolution – kurz PSSR.

Ohne diese KI-Hardware wäre 8K auf der Konsole in spielbaren Bildraten physisch unmöglich.

PSSR: Wie die PS5 Pro 8K „faked“

Wenn Sony von 8K spricht, meint das Unternehmen in fast allen Fällen kein natives 8K-Rendering. Stattdessen kommt PSSR zum Einsatz – ein KI-gestützter Upscaling-Algorithmus.

So funktioniert PlayStation Spectral Super Resolution

Der Ablauf sieht vereinfacht so aus:

  • Rendering: Das Spiel berechnet das Bild intern in einer niedrigeren Auflösung – typischerweise zwischen 1440p und 4K.
  • Analyse: Die NPU untersucht das aktuelle Bild und vergleicht es mit Daten vorheriger Frames.
  • Rekonstruktion: Ein neuronales Netzwerk sagt vorher, wie das Bild in 8K aussehen sollte, und skaliert es entsprechend hoch.

Das Ergebnis ist ein 8K-Signal, das aber eben nicht aus 33 Millionen nativ berechneten Pixeln besteht.

Upscaling vs. natives Rendering: Was du wirklich siehst

Analysen von Digital Foundry zeigen, dass PSSR leistungsfähig ist – aber an Grenzen stößt. Je niedriger die interne Auflösung, desto mehr muss die KI „halluzinieren“. Das führt zu typischen Artefakten:

  • Flimmern an feinen Strukturen wie Zäunen oder Stromleitungen
  • Bildrauschen auf reflektierenden Oberflächen
  • Temporale Instabilität – das Bild wirkt in Bewegung unruhiger

Ein natives 4K-Bild ohne extremes Upscaling sieht oft ruhiger und stabiler aus als ein per PSSR hochgerechnetes 8K-Bild. Der vermeintliche Schärfegewinn wird durch diese Instabilitäten erkauft.

Das HDMI-Problem: Warum 32 Gbit/s nicht reichen

Selbst wenn die PS5 Pro ein perfektes 8K-Bild berechnen könnte – es muss ja auch zum Fernseher kommen. Und hier liegt ein überraschendes Problem.

Display Stream Compression (DSC) als Notlösung

Der HDMI-Controller der PS5 Pro ist auf 32 Gbit/s begrenzt. Die HDMI-2.1-Spezifikation erlaubt theoretisch 48 Gbit/s. Zum Vergleich: Die Xbox Series X bietet 40 Gbit/s, moderne High-End-TVs und PC-Grafikkarten nutzen die vollen 48 Gbit/s.

Ein unkomprimiertes 8K-Signal bei 60 Hz mit HDR benötigt etwa 50 Gbit/s. Das übersteigt das Limit der PS5 Pro deutlich. Die Konsole ist deshalb auf Display Stream Compression (DSC) angewiesen – ein Kompressionsverfahren, das die Datenrate reduziert, ohne sichtbare Qualitätsverluste zu verursachen.

Das funktioniert technisch gut. Das Problem liegt woanders.

Wenn Sonys eigener 8K-TV nicht mitmacht

Nicht alle 8K-Fernseher unterstützen DSC über HDMI korrekt – besonders frühere Modelle aus den Jahren 2019 bis 2021.

Ein besonders ironisches Beispiel: Sonys eigener High-End-Fernseher Z9J (Master Series 8K) unterstützt kein DSC über HDMI. Die Konsequenz: Die PS5 Pro kann auf Sonys eigenem Flaggschiff-TV kein 8K ausgeben. Der Handshake scheitert, die Konsole fällt auf 4K zurück.

Diese Inkompatibilität fragmentiert die ohnehin winzige Zielgruppe weiter.

Welche Spiele unterstützen 8K – und wie gut?

Die Liste der Spiele mit 8K-Unterstützung ist kurz. Und die technischen Kompromisse sind erheblich.

Gran Turismo 7: Das Vorzeigeprojekt

Polyphony Digital hat einen experimentellen 8K-Modus implementiert. Das Spiel nutzt PSSR, um von einer niedrigeren Basisauflösung auf 8K zu skalieren. Raytracing-Reflexionen bleiben aktiv – werden aber selbst nur in etwa 1080p berechnet.

Das Ziel sind 60 fps. In den meisten Szenarien wird das erreicht, bei Regenrennen oder vollen Startfeldern gibt es Einbrüche. Digital Foundry bezeichnet den Modus als „experimentell“. Viele Spieler bevorzugen den stabileren nativen 4K-Modus.

F1 24 und No Man’s Sky: Kompromisse überall

F1 24 bietet einen 8K-Modus mit 60 fps im Gameplay – fällt aber in Replays auf 30 fps zurück. Berichte deuten auf sichtbares Aliasing hin, was auf eine sehr niedrige interne Auflösung schließen lässt.

No Man’s Sky geht einen anderen Weg: 8K ist hier nur mit 30 fps möglich. Für ein Erkundungsspiel mag das akzeptabel sein, aber in einer Generation, in der 60 fps Standard geworden sind, fühlt sich das wie ein Rückschritt an.

The Touryst: Das eine Spiel mit echtem 8K

Eine Ausnahme bestätigt die Regel: The Touryst von Shin’en Multimedia rendert tatsächlich nativ in 8K bei 60 fps. Der Trick? Das Spiel nutzt eine Voxel-Art-Engine mit extrem simpler Geometrie. Die GPU-Last pro Pixel ist minimal.

Das beweist: Natives 8K ist auf der PS5 Pro möglich – aber nur bei Spielen, die grafisch auf Indie-Niveau agieren. Für AAA-Blockbuster wie Spider-Man 2 oder Cyberpunk 2077 bleibt natives 8K illusorisch.

Warum deine Augen den Unterschied nicht sehen

Der vielleicht wichtigste Grund für die Nutzlosigkeit von 8K liegt nicht in der Technik, sondern in der Biologie.

Die Physik der Wahrnehmung: Sitzabstand und Pixeldichte

Das menschliche Auge hat eine begrenzte Auflösungsfähigkeit. Bei einem durchschnittlichen Sehvermögen können wir Details von etwa einer Bogenminute unterscheiden. Was bedeutet das konkret?

Bei einem typischen Sitzabstand von 2,5 bis 3 Metern – also dem Abstand zwischen Couch und Fernseher in den meisten Wohnzimmern – ist das Auge physikalisch nicht in der Lage, die zusätzlichen Pixel von 8K gegenüber 4K aufzulösen. Die Pixelstruktur eines 4K-Panels ist bei diesem Abstand bereits unsichtbar.

Ab welcher TV-Größe 8K überhaupt Sinn ergibt

Studien zeigen ein ernüchterndes Bild:

TV-GrößeSitzabstandWahrnehmbarer Vorteil von 8K
55 Zoll2,5 mKeiner
65 Zoll2,5 mMarginal bis keiner
75 Zoll2,0 mBedingt, bei sehr guten Augen
85+ Zoll1,5 mJa, sichtbarer Unterschied

Um von 8K tatsächlich zu profitieren, bräuchtest du einen Fernseher jenseits der 80 Zoll – und müsstest unnatürlich nah davor sitzen. In normalen Wohnzimmern verpufft die Rechenleistung für 33 Millionen Pixel schlicht im Nichts.

Der 8K-TV-Markt: Tot, bevor er losging

Selbst wenn du 8K sehen wolltest – das passende Display zu finden ist schwieriger, als du denkst.

Preise, Verfügbarkeit und die EU-Energierichtlinie

8K-Fernseher machen weniger als ein Prozent des globalen TV-Marktes aus. Die Preise liegen oft beim Doppelten oder Dreifachen eines exzellenten 4K-OLEDs. Für Gamer ist ein 4K/120Hz-OLED fast immer die bessere Wahl.

Ein zusätzlicher Faktor: Die EU-Ökodesign-Richtlinie von 2023. 8K-Panels benötigen aufgrund ihrer hohen Pixeldichte stärkere Hintergrundbeleuchtung und verbrauchen entsprechend mehr Energie. Viele Modelle überschritten die neuen Grenzwerte, was zu Verkaufsstopps oder extrem dunklen „Eco-Modi“ führte. Das Interesse der Hersteller an 8K ist seitdem merklich abgekühlt.

Warum es kaum 8K-Inhalte gibt

Außerhalb von Tech-Demos existieren praktisch keine 8K-Inhalte:

  • Streaming: Netflix, Disney+ und Amazon Prime bieten maximal 4K. Die Bandbreitenanforderungen für 8K (50–100 Mbit/s) sind für die Masse zu hoch.
  • Physische Medien: Eine 8K-Blu-ray existiert nicht – und ist auch nicht geplant.

Die PS5 Pro versucht, ein Format zu bedienen, das von Markt, Regulierung und Content-Industrie weitgehend aufgegeben wurde.

Warum wirbt Sony trotzdem mit 8K?

Wenn 8K so nutzlos ist – warum prangt das Logo dann auf der Verpackung?

Marketing, Prestige und der Blick auf die PS6

Die PS5 Pro ist ein Prestigeprodukt. Features wie „8K“ dienen als Differenzierungsmerkmal, um technische Überlegenheit zu suggerieren. Es geht um das Gefühl, für die Zukunft gerüstet zu sein – auch wenn diese Zukunft noch weit entfernt ist.

Ein tatsächlich sinnvoller Anwendungsfall: Foto-Modi. In Spielen wie Gran Turismo 7 kannst du Screenshots in 8K-Auflösung exportieren und auf dem PC bearbeiten oder drucken. Da hier keine Framerate gehalten werden muss, funktioniert das problemlos.

Außerdem nutzt Sony die PS5 Pro vermutlich als Testfeld für PSSR. Die gesammelten Daten helfen, den Algorithmus für die kommende PlayStation 6 zu verfeinern.

Fazit: Für wen lohnt sich 8K auf der PS5 Pro?

Die ehrliche Antwort: Für fast niemanden.

Die Punkte, die gegen 8K sprechen, wiegen schwer:

  • Visuelle Irrelevanz: Ohne riesigen TV und unnatürlich geringen Sitzabstand siehst du keinen Unterschied zu 4K.
  • Qualitätsverlust: Ein sauberes natives 4K-Bild wirkt oft besser als ein instabiles, hochskaliertes 8K-Bild mit Artefakten.
  • Performance-Kosten: Die Ressourcen für 8K fehlen bei Raytracing, Partikeln oder stabilen 120 fps.
  • Kompatibilitätsprobleme: Der 32-Gbit/s-HDMI-Port und DSC-Zwang schließen viele frühe 8K-TVs aus.

Der wahre Wert der PS5 Pro liegt woanders: in der Stabilisierung von 4K bei 60 fps, in verbessertem Raytracing, in PSSR als Brücke zwischen Auflösung und Performance. Die 8K-Funktion ist heute das, was 1080p auf der PlayStation 2 war – ein technisches Kuriosum, das der eigenen Zeit vorausgreift.

Für den Alltag gilt: Ignoriere 8K. Genieße stattdessen ein stabiles, schönes 4K-Bild.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu 8K auf der PS5 Pro

Kann die PS5 Pro Spiele in echtem 8K darstellen? Technisch ja, aber nur bei grafisch sehr einfachen Spielen wie The Touryst. AAA-Titel werden in niedrigerer Auflösung berechnet und per PSSR hochskaliert.

Brauche ich einen speziellen Fernseher für 8K? Ja. Der TV muss 8K unterstützen, HDMI 2.1 bieten und DSC (Display Stream Compression) beherrschen. Nicht alle 8K-TVs erfüllen diese Anforderungen.

Lohnt sich der Kauf eines 8K-Fernsehers für die PS5 Pro? Aktuell nicht. Ein hochwertiger 4K-OLED mit 120 Hz bietet für Gaming deutlich mehr Vorteile zum gleichen oder niedrigeren Preis.

Warum hat Sony das 8K-Logo zwischenzeitlich entfernt? Bei den PS5-Slim-Modellen verschwand das Logo, da die Basis-Konsole faktisch keine relevante 8K-Funktionalität bot. Mit der leistungsstärkeren Pro kehrt es zurück.

Wird 8K in Zukunft relevanter? Möglicherweise. Aber selbst dann bleibt die Frage, ob das menschliche Auge bei üblichen Sitzabständen einen Unterschied wahrnimmt. Die größten Fortschritte werden eher bei HDR, Raytracing und Framerates liegen.

Weitere Infos und Quellen